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Ausgabe 112

Noch ein Versuch: Neubeginn in Israel, dem Gelobten Land

Miriam Magall


Bernd Ulbrich: Ein schöner Tag zum Leben nach dem Tod

trafo Verlag Berlin, 2017 

556 Seiten, Broschur. 

Euro 29,95

ISBN 978-3-86465-082-6

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Wie mag sie wohl aussehen, eine Welt ohne Menschen? Schon immer gab es skurrile Vorstellungen vom Ende der Welt, war die Rede vom Ende der Menschheit. Der Autor spielt hier in seinem Roman ein solches Szenario bis zum bitteren Ende durch. Mit einem Schlag sind sie tot: 83 Milliarden Menschen. Überlebt haben nur einige wenige, einzeln oder in kleinen Gruppen. Details erfährt man in den traumartig-surrealen Erlebnissen des Dr. Georg Steiner. Steiner, ein unangepasster Zeitgenosse, wird anfangs begeistert aufgenommen, macht sich aber dank seiner kritischen Gedanken schnell unbeliebt. Eine Enttäuschung löst die nächste ab, bis hin zu einem Mordanschlag auf ihn, der ihm zugleich das Leben rettet. Auf seiner verzweifelten Suche nach Überlebenden begegnet er ihnen und sie folgen ihm in seine Zuflucht, ein autarkes Kloster: ehemalige Scientologen, fundamentale Christen, junge deutsche Soldaten, Feuerwehrleute, triebhafte blonde deutsche Frauen. Aber auch sie gibt es hier: die Nazis, die eine längst untergegangene Welt wieder aufbauen wollen, die Fundamentalisten, die durch den Nahen Osten reisen um sie auszurotten: die Juden, denn diese tragen nach ihrer Ansicht die Schuld am Untergang der Menschheit. Dass ihrer so viele ausgerechnet in Israel das allgemeine Sterben überlebt haben, kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Es riecht nach Weltverschwörung! Und doch ist das Gelobte Land der einzige Ort der Welt, an dem sich Georg mit seinen Freunden den Neubeginn der Menschheit vorstellt und erhofft, als er mit ihnen sein Flugzeug besteigt und in Richtung östliches Mittelmeer abhebt. 

Der Autor: Bernd Ulbrich (*1943 in Berlin), in der DDR zunächst als Chemiefacharbeiter, dann seit 1975 als Schriftsteller tätig, schreibt Hörspiele, Theatertexte und Science-Fiction-Erzählungen. Sperrig und unangepasst wie der Held seines Romans, wird er zwischen 1983 und 1989 mit einem Publikationsverbot belegt, was nach dem Mauerfall als Verfolgung anerkannt wird. Heute darf er schreiben, was und wie er will - und er findet hoffentlich auch weiterhin viele Leser, nicht nur für diesen Roman.