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Buchrezensionen:

Ausgabe 112

Max Lichtegg

Clemens Höslinger


Alfred A. Fassbind: Max Lichtegg. Nur der Musik verpflichtet

Zürich: Römerhof-Verlag 2016

560 Seiten, gebundene Ausgabe

Euro 37,10

ISBN: 978-3905894318

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Der Name des Autors dürfte vielen Musikfreunden bekannt sein: Alfred A. Fassbind ist nicht nur Gründer und Leiter des Joseph Schmidt-Archivs in Oberdürnten (Schweiz), sondern auch Autor einer hervorragenden Biographie des begnadeten Künstlers, die 2012 in neuer Ausgabe  erschienen ist. Nun hat er sich einem anderen Sänger zugewandt, der zwar nicht die Weltgeltung eines Joseph Schmidt erreichte, aber doch einige auffallende Gemeinsamkeiten mit dem Unvergessenen und Einzigartigen aufweist. Es ist dies der Schweizer Tenor Max Lichtegg (1910-1992), der eine lange, erfolgreiche Karriere erlebt hat, die ihn weit in die grosse Musikwelt führte, wo er mit vielen bedeutenden Künstlern in Berührung kam, so zum Beispiel mit Paul Hindemith, Igor Strawinsky, Franz Lehár u.v.a.

Munio Lichtman - das war sein ursprünglicher Name - kam in der galizischen Kleinstadt Buczacz zur Welt, er wuchs polnisch und jiddisch sprechend auf. 1918 flüchtete die Familie  nach Wien und fand eine Wohnung in der Karajangasse, Wien-Brigittenau, damals das Armeleute-Viertel.  Seine ersten musikalischen Stationen: Frühe Entdeckung der Gesangsbegabung, Schulung im kantoralen Gesang, Studien bei Victor Fuchs am Konservatorium, dort Freundschaft mit Igor Gorin - später eine Gesangsgrösse von Rang - oder Edward Constantinowsky, der  es als Eddie Constantine zur Filmberühmtheit brachte. Sein Debüt  als Opernsänger feierte er 1934 unter dem Namen Max Lichtegg an der Wiener Urania als Graf Almaviva in Rossinis Der Barbier von Sevilla. 1936 bot sich ein Engagement  nach Bern an - ein Glücksfall für den Sänger, der durch seine Verpflichtung in der Schweiz den Nazi-Mordbanden entgangen ist. Von da an folgten ein steiler Aufstieg als Opern- und Operettentenor in Zürich sowie erste Kontakte zu Rundfunk, Schallplatte, Tonfilm, später auch zum Fernsehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg startete Lichtegg eine internationale Karriere, die ihn in die USA, nach Italien, Israel u.v.a. führte. Darüber hinaus feierte er Erfolge auch als Konzert- und Liedersänger. Nach Wien kam er erstmals wieder 1949 in verschiedenen Rollen: Lohengrin, Don José, Tamino, Barinkay u.s.w. In Wien hatten sich damals die ehemaligen Reichs-Tenöre, wie zum Beispiel Peter Anders, Walter Ludwig, Julius Patzak und Max Lorenz, so fest etabliert, dass  für Max Lichtegg, kein Platz übrig war. Trotz aller Auslandserfolge blieben Zürich und die Schweiz das Zentrum seines Wirkens. In gewisser Weise war Lichteggs Karriere ein positiver Gegenpol zum traurigen Schicksal seines Tenor-Kollegen Joseph Schmidt. Es wäre noch viel über Max Lichteggs interessanten Künstlerweg zu berichten, doch am besten: man schafft sich dieses brillant geschriebene Buch an, in dem - gerade für die Wiener, die Österreicher - so viel Bekanntes, manchmal auch unangenehm Bekanntes, vorkommt. Die Biographie ist mit Bildern reichlich ausgestattet, und es ist ein Vergnügen, die Theaterzettel und Künstlerfotos zu betrachten. Alfred Fassbind, der selber Sänger geworden ist, hat mit diesem Buch  seinem einstigen Lehrer ein schönes Denkmal gesetzt, aber auch exemplarisch vorgeführt, wie eine Künstlerbiographie gestaltet werden soll. Sehr empfehlenswert.