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Ausgabe 113

Die Synagoge von Oberwart (ung. Felsőőr)

Simon HOSEMANN


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Die Zentralmusikschule Oberwart im Gebäude der ehemaligen Synagoge, 2014. Foto: S. Hosemann mit freundlicher Genehmigung.

Die Synagoge der heute burgenländischen Stadtgemeinde Oberwart (ung. Felsőőr) wurde 1904 als Gebets- und Versammlungsraum der jüdischen Tochtergemeinde von Stadtschlaining (ung. Városszalónak) errichtet. Während die Muttergemeinde religiös orthodox blieb, entwickelte sich die Tochtergemeinde in die liberale Richtung, in Ungarn neo-log genannt: Ihre Mitglieder waren um weitgehende Anpassung an die umgebende, tolerante, nichtjüdische Mehrheitsbevölkerung - in diesem Fall eine bemerkenswerte konfessionelle Vielfalt aus evangelisch H.B, evangelisch A.B und Katholiken, bemüht. 

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Visualisierung der räumlichen Lage des Synagogengebäudes im heutigen Ortsverband von Oberwart, Blick aus Westen. Virtuelle Rekonstruktion S. Hosemann 2015 mit freundlicher Genehmigung.

Der erste schriftlich festgehaltene Nachweis über das Vorhaben der jüdischen Gemeinde, einen Tempel zu errichten, stammt aus dem Jahr 1902. Die Oberwarther Sonntags-Zeitung dokumentierte die einzelnen Schritte des Bauvorhabens bis zur Einweihung der Synagoge. Der Wunsch der jüdischen Gemeinde nach einem Bethaus dürfte auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass aufgrund der stetig wachsenden Gemeinde das Zimmer im Maislschen Hause zu klein wurde. Jenes Zimmer wurde bis zur Eröffnung der Synagoge als Betraum genutzt. Des Weiteren dürfte die Loslösung von der Muttergemeinde Stadtschlaining auch ein Anstoss zur Durchführung jenes Bauvorhabens gewesen sein. Im April 1904 kam es schliesslich zu einer Ausschreibung, in welcher ein Zimmermeister aus Rotenturm (ung. Vasvörösvár) den Zuschlag erhielt. Im Juni 1904 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau der Synagoge. Nach einer Bauzeit von nur fünf Monaten, welche laut Zeitungsberichten zufolge auch durch die Bemühungen „Andersgläubiger" unterstützt wurde, fand die Einweihung der Synagoge statt. 34 Jahre danach, im April 1938, verfügte der damalige Oberwarter Bürgermeister die Räumung der Synagoge. Das Inventar an Ritualgegenständen (14 Thorarollen) wurde von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in Verwahrung genommen und vermutlich nach Wien gebracht. Im Juni 1939 wurde vom Stab des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich an die Aufbaufonds Vermögenverwaltungs GmbH in Wien berichtet, dass die Synagoge für die Kreisfeuerwehr umgebaut wurde. Ab 1940 wurde das Gebäude von der Feuerwehr als Gerätehaus und Feuerwachraum genutzt, sowie von einer Klasse der kaufmännischen Handelsschule. Mit dem Kaufvertrag vom 24. Juli 1940 gingen der Tempel und alle anderen Liegenschaften der israelitischen Kultusgemeinde Oberwart (vertreten durch den Leiter der IKG Wien, Dr. Josef Israel Löwenherz) in den Besitz der Stadtgemeinde Oberwart (vertreten durch Bürgermeister Franz Weisch) über. Am 29. Mai 1946 bestätigte der Bürgermeister von Oberwart die Enteignung in einem Schreiben an die Israelitische Kultusgemeinde Wien:

„Im Jahre 1953 wurde die ehemalige Synagoge samt dem angrenzenden Wohngebäude für Zwecke der Stadtfeuerwehr von der israelitischen Kultusgemeinde käuflich erworben." Im Jahr 1989 wurde eine Gedenktafel an den Leidensweg der „ehemaligen jüdischen Mitbürger", auf Initiative der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, am Gebäude angebracht. Die letzten Umbaumassnahmen wurden im Jahr 1996 durch den Gemeinderat beschlossen und das Gebäude wurde für die Zentralmusikschule Oberwart adaptiert, die es seit 1997 nutzt.