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Ausgabe 113

Bundesminister Mag. Thomas Drozda

im Gespräch

Monika KACZEK


Thomas Drozda, Jahrgang 1965, studierte Betriebs- und Volkswirtschaft an der Johannes Kepler Universität in Linz. Nach seinem Studium war er als Geschäftsführer beim Trotzdem-Verlag der Sozialistischen Jugend in Wien tätig, kurz darauf arbeitete er in der Österreichischen Nationalbank in der Abteilung für volkswirtschaftliche Studien. 1993 wechselte Drozda als wirtschaftspolitischer Berater ins Kabinett von Bundeskanzler Franz Vranitzky, wobei er für die Bereiche Budget, Finanzen, Soziales, Jugend und Familie und ab 1996 auch für den Bereich Kunst und Kultur verantwortlich zeichnete. Von 1997 bis 1998 setzte er seine berufliche Laufbahn als wirtschafts- und kulturpolitischer Berater von Bundeskanzler Viktor Klima fort. Von 1998 bis 2008 war Drozda als kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters tätig. 2008 wechselte er als geschäftsführender Generaldirektor zu den Vereinigten Bühnen Wien. Am 18. Mai 2016 wurde Drozda vom damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer als Bundesminister angelobt und fungiert seit dem 25. Mai 2016 als österreichischer Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien.

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Bundesminister Thomas Drozda. Foto: Andy Wenzel. Mit freundlicher Genehmigung: BKA.

DAVID: Da Hassmails und Hasspostings im Internet eine immer grössere Bedrohung sind, planen Sie gemeinsam mit Justizminister Wolfgang Brandstetter gesetzliche Massnahmen zu beschliessen, durch die Betreiber von Netzwerken verpflichtet werden sollen, wirksame Beschwerdeverfahren einzurichten. Wie weit sind Sie mit Ihrer Initiative?

Bundesminister Drozda: Auf europäischer Ebene ist mir gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen ein Coup gelungen: wir haben kürzlich eine Richtlinie beschlossen, mit der europaweit klare Regeln festgelegt werden, wie mit Hasspostings und Diskriminierung umgegangen werden soll. In Zukunft müssen Facebook und Co auf Hasspostings schneller reagieren. 

Im Bundeskanzleramt richten wir gerade eine Melde- und Beratungsstelle für die Opfer von Hasspostings ein. Diese wird in den kommenden Wochen ihre Arbeit aufnehmen. Ausserdem setzen wir in Zukunft fünf Sonderstaatsanwälte gegen Cyberkriminalität, insbesondere gegen Onlineverhetzungsdelikte, ein. Und auf der Bildungsseite bieten wir verstärkt Weiterbildungsmassnahmen an. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können online Techniken der Zivilcourage im Netz erlernen. Sie sehen, wir nehmen den Kampf gegen Hass im Netz auf unterschiedlichen Ebenen auf. 

DAVID: Heuer verstarb Ari Rath und mit ihm haben wir eine beeindruckende und mutige Persönlichkeit verloren. Sie waren mit ihm sehr verbunden und sahen ihn nicht nur als einen herausragenden Journalisten sondern auch als politischen Menschen, der „die Schrecken des 20. Jahrhunderts in der eigenen Biographie erfahren musste, setzte er sich unermüdlich für eine neue Welt ein, in der Hass keine Bedeutung mehr haben sollte". Was für Erinnerungen haben Sie an ihn?

Bundesminister Drozda: Ari Rath hat mich sehr beeindruckt und nachhaltig geprägt. Er war eine Persönlichkeit, die mit den Mitteln des Wortes für die Freiheit stritt. Er trat mutig gegen menschenverachtende Ideologien auf und war im besten Sinn ein Mann im Geist der Aufklärung.

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Am 26. April 2017 begrüsste Bundesminister Mag. Thomas Drozda Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher, die vom Jewish Welcome Service ins Bundeskanzleramt eingeladen wurden. Foto: Regina Aigner. Mit freundlicher Genehmigung: BKA.

DAVID: Am 26. April 2017 begrüssten Sie im Bundeskanzleramt Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher, die vom Jewish Welcome Service nach Wien eingeladen wurden und konnten auch Gespräche mit den Vertriebenen führen. Welche Themen, Erinnerungen und auch schmerzhafte Momente tauchen bei den Betroffenen dabei auf?

Bundesminister Drozda: Die Gespräche mit den vielen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, den Besucherinnen und Besuchern der zweiten und dritten Generation haben mich sehr bewegt. Beispielsweise ein Zeitzeuge, der seit dem Zweiten Weltkrieg in den USA lebt, sprach in einem wohlvertrauten Wiener Dialekt mit mir. Er erzählte mir, wo er früher gelebt und in welchen Strassen er als Kind gespielt hat. Natürlich ist die Rückkehr nach Wien oft mit schmerzhaften und sehr dunklen Erinnerungen verbunden. Gerade deshalb ist das Jewish Welcome Service so wichtig. Mit deren Hilfe gelingt es auch, den nachkommenden Generationen das neue und tolerante Österreich zu zeigen und einen Bezug mit der alten Heimat herzustellen. 

DAVID: Anlässlich des Kinder- und Jugendbuchpreises 2017 betonten Sie in einer Presseaussendung die Wichtigkeit von Büchern für junge Menschen: „Je früher sie in den literarischen Bann gezogen werden, desto länger hält ihre Begeisterung an." Haben Sie den Eindruck, dass Kinder und Jugendliche zu wenig lesen - ein Vorwurf, der immer wieder auftaucht? 

Bundesminister Drozda: Ich will hier nicht kulturpessimistisch und rückwärtsgewandt argumentieren. Mir ist schon klar, dass die Gutenberggalaxie nicht mehr existiert und wir längst im digitalen Zeitalter leben. Nichtsdestotrotz ist Lesen eine zentrale Kulturtechnik, die grundlegend ist, um sich zu Informieren. Und diese Information wiederum ist die Grundlage dafür, um sich aktiv in unserer Gesellschaft einbringen zu können. Abgesehen davon ist lesen einfach wunderschön und enorm bereichernd. 

DAVID: Vielen Dank, Herr Bundesminister, für das interessante Gespräch.