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Buchrezensionen:

Ausgabe 113

Die Tragödie des Anderen

Monika Kaczek


Lizzie Doron: Sweet Occupation

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler

München: dtv premium 2017

208 Seiten, broschiert, Euro 17,04 

ISBN 978-3-423-26150-0

Die 1953 in Tel Aviv geborene Autorin Lizzie Doron studierte Linguistik bevor sie Schriftstellerin wurde. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1990 verfasste Doron ihr Buch Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen? - eine Spurensuche über die Biographie ihrer Mutter, einer Shoah-Überlebenden. Dorons erster Roman Ruhige Zeiten wurde mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Jeannette Schocken Preis. In der Begründung der Jury heisst es: »Lizzie Doron schreibt über Menschen, die von ›dort‹ kommen, die den Holocaust überlebten und nun zu leben versuchen. In Israel. Fremd, schweigend, versehrt - und stets ihre Würde wahrend. Mit grosser Behutsamkeit nähert die Autorin sich ihren Figuren und mit grossem Respekt wahrt sie Distanz.« 

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Cover: (Mit freundlicher Genehmigung: dtv Verlag München)

Auch ihr neuestes Werk Sweet Occupation kann als eine Art Spurensuche angesehen werden. Dafür interviewte sie fünf Männer: Die verurteilten ehemaligen Terroristen Muhammad, Suleiman und Jamil aus den besetzten Gebieten sowie die Israelis Chen und Emil, die den Dienst an der Waffe in der israelischen Armee verweigert haben. Mohammed, der aus Ost-Jerusalem stammt, sass nach einem Anschlag auf einen israelischen Armeejeep im Gefängnis. Heute leistet er gewaltfreien Widerstand, so wie Jamil, ein ehemaliger Steinewerfer aus einem Flüchtlingscamp im Westjordanland. Chen ist als Theaterdirektor tätig und drehte 2016 mit dem israelischen Regisseur Avi Mograbi Between Fences/Bein Gderot , einen Film über ein israelisches Flüchtlingslager in der Nähe der ägyptischen Grenze.

Ein Jahr lang hörte Doron den Kindheitserinnerungen der fünf Interviewpartner zu, lernte ihre Gefühle, ihre Träume und Ängste kennen. Für die Autorin ist die Tragödie des Anderen zu verstehen, die Voraussetzung, um einander keine weiteren Tragödien zuzufügen. Inzwischen sind Doron und die Männer Freunde geworden. »Doch der Preis dafür ist hoch. Die Autorin hat viele jüdische Freunde verloren, ihr Buch wird in Israel nicht verlegt. Sie leidet, sagt sie, aber es gibt für sie keine Alternative: ›Ich bin keine Verräterin. Aus den Gräbern wird keine Veränderung kommen. Auch ich habe viele Jahre gebraucht, um das zu verstehen. ‹«1

1  http://www.ndr.de/kultur/buch/Lizzie-Doron-Sweet-Occupation,sweetoccupation102.html