Aktuelle Ausgabe

Archiv

Buchrezensionen

Leserbriefe
Termine

Abonnements
Spenden

Der Verein
Links

Kontakt

 

Suche

 

 


Artikel:


Buchrezensionen:

Ausgabe 109

Venedig, die Juden und Europa 1516 - 2016

Donatella CALABI


titelbild

Zum Titelbild: Venedig, Ghetto, Sinagoga Tedesca, Innenraum, Blick zur Bimah. Foto: G. Guidarelli, mit freundlicher Genehmigung. Siehe auch den Artikel Die Synagogen von Venedig.

Die Ausstellung Venedig, die Juden und Europa 1516 - 2016 wird zum 500. Jahrestag des venezianischen Ghettos von 19.6. bis 13.11. 2016 im Dogenpalast von Venedig gezeigt. Sie beschreibt den „ricinto", die erste bauliche Ausgrenzung von Juden weltweit und welche Entwicklungen deren Ursprüngen, Gestaltung und Veränderungen zugrunde liegen.

 

Zugleich beabsichtigt die Ausstellung, den eigenen Blickwinkel auf jene Beziehungen, die die venezianischen Juden mit der übrigen Stadt sowie mit anderen jüdischen Vierteln in Italien und Europa (und nicht nur mit diesen) etabliert hatten, zu erweitern. Ziel der Initiative ist es, die vielschichtigen Beziehungen der Juden zu Venedig und zur Zivilgesellschaft in den verschiedenen Phasen der langen Geschichte jüdischer Präsenz in der Lagune, im Veneto sowie im europäischen und mediterranen Raum hervorzuheben. Den vielen Besuchern der Lagunenstadt soll grössere Kenntnis von der kulturellen Diversität im kosmopolitischen Venedig des beginnenden 16. Jahrhunderts, aber auch von der Vermischung von Wissen, Kenntnissen und Gewohnheiten, wie sie noch immer Venedigs Haupterbe darstellen, vermittelt werden.

h109_T0005

Arbit Blatas, Synagogen, Ghetto Venedig. Mit freundlicher Genehmigung: Fondazione Musei Civici di Venezia, MUVE Pressebüro.

Das bedeutet nicht nur Forschungsarbeit zum konkreten Bereich der drei Ghettos - Ghetto Nuovo, Ghetto Vecchio und Ghetto Nuovissimo (Neues Ghetto, Altes Ghetto und Jüngstes Ghetto), sondern auch eine Reflexion über den kulturellen und sprachlichen Austausch, über die handwerkliche Geschicklichkeit und die Berufe, welche die jüdische Gemeinde mit der christlichen Bevölkerung und anderen Minderheiten, die in einem Handelszentrum von aussergewöhnlicher Bedeutung vertreten waren, teilte. Der dazu gewählte chronologische Bogen geht über den Fall der Republik und die Öffnung der Ghetto-Tore hinaus: In der Ausstellung wird auch die Rolle der Juden im Zeitalter der Assimilation sowie im 20. Jahrhundert deutlich werden. Die Geschichte der Errichtung des Ghettos muss, so die Hypothese des Projektes, im Kontext der allgemeinen Verwaltung nationaler und ethnischer Minderheiten durch die Republik Venedig erforscht werden. Aber es geht auch darum, zu erklären, wie sich diese Beziehungen nach und nach auf ein geographisch sehr umfassendes Gebiet erweitert und mit der Zeit fortbestanden haben, indem sie sich an die politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen anpassten.

 

h109_T0001

Vittore Carpaccio, Bildnis des Dogen Leonardo Loredan, 1501-1505, Öl und Tempera auf Holz, 67 x 51 cm. Venedig, Museo Correr. Mit freundlicher Genehmigung:  Fondazione Musei Civici di Venezia, Archivio Fotografico, MUVE Pressebüro.

Gemälde, Zeichnungen, Bücher und Dokumente, die, in zehn Abschnitte gegliedert, auf elf Säle der Wohnräume des Dogen verteilt sind, erlauben es, Zeugnis zu geben von Ereignissen, die einen langen Zeitraum von Beziehungen und Austausch zum Inhalt haben. Die Ausstellung wird mit Technologien wie Video, Touch-Screen und Modellen ausgestattet sein, um die Erzählung zu erleichtern und sie verschiedenen Publikums-Zielgruppen zugänglich zu machen. Mit der Geschichte der Siedlungsereignisse wird eine Reihe von Episoden verknüpft sein, die in der Lage sind, die Aufmerksamkeit eines heterogenen Publikums auf sich zu ziehen: Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten, Reiseberichte, Literatur, Musik und Theater.

Ausstellung: Venedig, die Juden und Europa. Kuratorin: Donatella Calabi. Venedig, Palazzo Ducale, Appartamento del Doge. Geöffnet täglich 08.30 – 19.00 Uhr, ab 1.11. bis 17.30 Uhr. Link: http://palazzoducale.visitmuve.it

Aus dem Italienischen übersetzt

von Dr.in Eva Holpfer - DAVID dankt

für die Unterstützung!